Kleine Archivkunde #3: Familienforschung Online

Das abgebildete Foto zeigt meine Großeltern bei ihrer Hochzeit 1942. Meiner Familie gehörte eine Mühle am Rhein-Zufluss Isenach, hinter dem Hochzeitszug erkennt man die Reste eines Tores, das auf den Hof führte. Das Tor stand nicht mehr, weil ein zu hoch geladener Heuwagen etwas ungünstig in die Hofeinfahrt rangiert hatte – in der Pfalz immer möglich hierfür: weinselige Gründe.

Genau solche Anekdoten und Geschichten finden sich in allen Familien, oft versteckt, manchmal vergessen, manchmal nur noch undeutlich präsent. Was tun, wenn die, die noch etwas hätten erzählen können, nicht mehr da sind oder wenn Geschichten und die Vorfahren selbst immer weiter im Dunkeln liegen, Daten fehlen, nicht mehr rekonstruierbar sind.

Ob mit oder ohne Corona – zunehmend gibt es online Angebote, die es Familienforschern ermöglichen, von zu Hause aus erste Schritte zu unternehmen.

Die kostenfreie Seite FamilySearch ist entstanden aus der Ahnenforschung, die die Mormonen aus religiösen Gründen betreiben. Im Granite Mountain im US-Bundesstaat Utah liegt „the Vault“, ein Archiv mit mehr als 2 Millionen Mikrofilmen, auf denen über 3 Milliarden Namen erfasst sind. Unterhalten wird diese Einrichtung von der Genealogischen Gesellschaft von Utah mit Sitz im Mormonen-Zentrum Salt Lake City.

Nicht kostenfrei, aber ebenfalls oft sehr hilfreich ist Ancestry Hier finden Familienforscher in den Historischen Sammlungen unter anderem Volkszählungen und Wählerlisten (auch die Census-Unterlagen aus den USA) sowie Geburts-, Heirats- und Sterberegister. Auch militärische Aufzeichnungen lassen sich hier finden, so haben beispielsweise die Staatlichen Archive in Bayern die Kriegsstammrollen des Ersten Weltkriegs online gestellt.

Etwas makaber mutet die Seite Find a Grave an, doch nach dem ersten eventuell etwas schrägen Blick wird klar, dass hier als Ergänzung zu Registern Gräber fotografiert wurden, um die Lebensdaten und Namen der Verstorbenen erfassen zu können.

Zugang zu Kirchenbüchern enthält das Portal Archion Das Angebot ist ein gemeinschaftliches Projekt der Evangelischen Kirche in Deutschland, aber auch staatliche und kommunale Archive nehmen teil. Hier werden digitalisierte Kirchenbücher online zugänglich gemacht – zu beachten ist hier, dass diese in den Archiven selbst nicht mehr zu nutzen sind, sondern ausschließlich über das kostenpflichtige Online-Portal.

Die kostenfreie Seite GenWiki listet überregional Hilfen und Datenbanken, Links zu Adressbüchern, genealogischen Vereinen und Lexika.

Verknüpft sind hier beispielsweise auch die Ortsfamilienbücher die für manche Orte die dort lebenden Familien erfassen – eine oft unumgängliche Quelle, so vorhanden (oft auch in gedruckter Form verfügbar).

Ganz grundsätzlich gilt in der Familienforschung: Arbeiten Sie sich von sich selbst über die nächsten Generationen immer weiter in die Vergangenheit vor. Zunächst sind es Daten, dann oft Anekdoten und Geschichten, die man mit Hilfe der Archive weiter dokumentieren kann. Und das wichtigste: nicht die Geduld verlieren – es lohnt sich!

Ein Kommentar zu „Kleine Archivkunde #3: Familienforschung Online

  1. Das abgebildete Foto zeigt meine Eltern an ihrem Hochzeitstag am 9.9.1942 in der Lambsheimer Mühle, dem Elternhaus meiner Mutter. Mein Vater Willi Röhrenbeck (Jg.1918) war zu diesem Zeitpunkt auf Fronturlaub von der Ostfront (72.ID, Sommer 1942: Teilnahme an der Eroberung von Sebastopol, Halbinsel Krim / die Einheit meines Vaters sollte im Herbst nach Stalingrad verlegt werden, was aber durch die russische Offensive (Oktober 42) nicht mehr möglich war – sonst hätte es mich, Jg. 1952, vermutlich nie gegeben).
    Der eingestürzte Torbogen war so etwas wie das „Wahrzeichen“ unserer Mühle und stand unter Denkmalschutz. Zur „Einsturzgeschichte“, so wie sie mir meine Mutter später erzählt hat: In dem Gebäude, das auf dem Foto zu sehen ist, hatte ein Bauer aus Lambsheim Heu eingelagert, das er später mit einem Pferdefuhrwerk wieder abholen wollte. Beim Beladen des Heuwagens hatten er aber dermaßen viel aufgeladen, dass das Fuhrwerk beim Verlassen der Mühle unter dem hohen Torbogen stecken blieb. Anstatt nun einen Teil wieder abzuladen, ging er zum Nachbarn, dem Bauer Leva, und holte dort zwei zusätzliche Pferde, die sie jetzt vor das feststeckende Fuhrwerk spannten. Mit vereinten Kräften gelang es zwar nicht, den Wagen durchs Tor zu ziehen aber immerhin das ganze Tor einzureißen. Der Wiederaufbau erfolgte noch 1942 durch eine Lambsheimer Maurerfirma. Die Rechnung über 636 RM ist bis heute erhalten geblieben.
    Noch ein paar familiengeschichtliche Anmerkungen zur Lambsheimer Getreidemühle, meinem Elternhaus. Die Mühle (erste urkundl. Erwähnung 1250) wurde von meinem Großvater Sebastian Wiedemann, einem Müller aus bayerisch Schwaben, 1929 gekauft, modernisiert und als Getreidemühle betrieben. In der nächsten Generation haben seine 3 Kinder den Mühlenbetrieb fortgeführt. Im Jahre 1988 wurde der Mühlenbetrieb endgültig eingestellt, weil von meiner Generation niemand bereit war, den unrentablen Betrieb weiterzubetreiben. Inzwischen ist die Mühle seit ein paar Jahren an einen lambsheimer Investor verkauft, der auf dem Mühlengelände etliche Wohneinheiten errichtet, das klassizistische Wohngebäude und das Mühlenbetriebsgebäude aber in Absprache mit dem Denkmalschutz erhalten muss.

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