Exkurs #2: Digitale Langzeitarchivierung

Womit kann man Archivare, die sich sonst eher mit Urkunden, alten Karten, Notariatsunterlagen und Findmitteln beschäftigen, aus dem Konzept bringen? Tatsächlich mit Begriffen wie „Metadaten“, „Formatvalidierung“, „Datenbankarchivierung“, „Open Access“. Doch nicht nur für Archivare bedeuten diese Begrifflichkeiten und die damit zusammen hängende Entwicklung eine Veränderung des Berufsbildes, auch für die Nutzer und die Lesesäle wird sich auf lange Sicht Grundlegendes ändern.

In Deutschland sind zwei Systeme für die digitale Langzeitarchivierung vorherrschend. Zum einen das DIMAG (Digitale Magazin) des Landesarchivs Baden-Württemberg, zum anderen DiPS (Digital Preservation Solution) aus Nordrhein-Westfalen. Beide Systeme erlauben es auch anderen Archiven, sich anzuschließen, DiPS wird u.a. bei der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, im Historischen Archiv der Stadt Köln und dem Landesarchiv NRW verwendet, der DIMAG-Verbund bezieht auch Kommunalarchive wie das Stadtarchiv Ettlingen mit ein und wird gemeinsam mit anderen Bundesländern wie u.a. Hessen und Bayern entwickelt.

Beide basieren auf dem Referenzmodell OAIS, das ursprünglich von den amerikanischen Weltraumorganisation NASA entwickelt wurde und hierzulande als ISO-Standard 14721 veröffentlicht wurde. OAIS wird weltweit der digitalen Langzeitarchivierung zu Grunde gelegt.

Unabhängig vom System beschäftigen sich Archivarinnen und Archivare gemeinsam mit Kollegen der IT, die in der Regel für den technischen Aspekt zuständig sind, u.a. mit der Übernahme der E-Akte, mit Formaten, Schnittstellen, Speicherung, Migration und vielem mehr.

Was bedeutet dies für die Benutzung?

Viele Archive arbeiten an so genannten „Open Access“-Möglichkeiten, an digitalen Lesesälen, die Benutzung, Bereitstellung und Recherche online präsentieren und einen Zugriff von Zuhause aus ermöglichen werden. So sollen u.a. auch Bestellungen in Lesesäle (wo Nutzung der Originale nötig ist), Nutzungsanträge sowie Anträge auf Sperrfristenverkürzung online gestellt werden können. Archive erarbeiten hier unterschiedliche, jeweils für sie passende Lösungen. Je nach Archivsparte – staatlich, kommunal, Kirchenarchive, Parteiarchive, Wirtschafts- und Stiftungsarchive – und deren jeweiligen Anforderungen, kann dies sehr verschieden aussehen für den Nutzerkreis.

Für Archive gibt es einen Unterschied zwischen genuin digital entstandenen oder nur digital vorhandenen Unterlagen (Ersatzdigitalisaten) und Digitalisaten von bereits vorhandenen Dokumenten (Sicherungsdigitalisate), für die Benutzung wird dies aber weniger relevant sein.

Momentan beschränkt sich der Access und die Präsentation digitaler Unterlagen auf einzelne Bestände. So sind beispielsweise die Kirchenbücher (Bestand F 6) des Landesarchivs Speyer im Portal Archion online zugänglich. Auch Foto- oder Kartenbestände sind in vielen Archiven schon online verfügbar. Dennoch kann die Nutzung oft eingeschränkt sein, wenn die Digitalisate beispielsweise in niedriger Qualität angeboten werden.

Klar ist: das Berufsbild „ArchivarIn“ wird sich künftig stark ändern, die Betreuung historischer Quellen wird weiterhin stattfinden und wichtig sein, doch deren Präsentation sowie die Übernahme digitaler Unterlagen, deren Speicherung und Benutzung wird ein unumgängliches zukünftiges Thema sein. Momentan ist dieses Thema wie kaum ein anderes Änderungen unterworfen, was es zu einem sehr spannenden Tätigkeitsfeld für ArchivarInnen macht.

Quellen

Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz

https://www.landeshauptarchiv.de/unser-auftrag/digitales-magazin-rheinland-pfalz

Digitales Archiv NRW

https://www.danrw.de/ueber-das-da-nrw/da-nrw-ein-loesungsverbund/

DIMAG Baden-Württemberg

https://www.landesarchiv-bw.de/web/44348

[Das Beitragsbild zeigt das OAIS-Modell (Open Archival Information System)]

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