Text #5: Romantisches aus dem Leben eines Müllers: ein Gedicht

Die Arbeit eines Müllers war von jeher unumstößlich wichtig für das Leben der Menschen vor Ort. Die meisten Mühlen, die an den Bächen von der Haardt zum Rhein entstanden sind, gehen auf das späte 12. sowie das frühe 13. Jahrhundert zurück. Im späten Hochmittelalter kam es durch ein Bevölkerungswachstum zu einer verstärkten Nachfrage nach Getreideprodukten (Mehl). Die zuvor üblichen kleinen im Haushalt eingesetzten Handmühlen wurden nach und nach durch die qualitativ höherwertigen Mahlergebnisse der durch Wasserkraft angetriebenen Mahlwerke (2 gegenläufige Mühlsteine) ersetzt. So entstand auch die Lambsheimer Mühle, die 1250 das erste Mal urkundlich erwähnt wurde.

Seit 1927 wurde sie von Sebastian Wiedemann aus Uttenhofen bei Augsburg betrieben. Wie er von der Mühle, die er seit 1929 auch besaß, erfuhr, ist ebenfalls ein Stück pfälzischer Geschichte: Damals noch bayerisch, kam aus Lambsheim in der Pfalz ein Eisenbahn-Angestellter nach Uttenhofen, der passiv gegen die französische Besetzung nach dem Ersten Weltkrieg Widerstand geleistet hatte. Dieser erzählte Wiedemann von einer zu verpachtenden Mühle in seinem pfälzischen Heimatort. Der Rest ist (Familien)Geschichte. Nach seinem Tod 1953 führten Sebastians zwei Söhne sowie sein Schwiegersohn den Mühlenbetrieb fort. Bis 1988 wurde die historische Mühle in Lambsheim betrieben, 2017 wurde sie verkauft und wird nun in Abstimmung mit den Denkmalschutzbehörden zu einer Wohnanlage umgebaut.

Die Arbeit in einer Mühle war körperlich sehr hart, die zwei Zentner schweren Säcke voller Mehl wurden von den Müllern auf dem Rücken getragen, und während der Erntezeit, wenn die Bauern ihr Getreide in der Mühle ablieferten, kehrte kaum Ruhe ein – zudem litten Müller oft unter einer Berufskrankheit, der so genannten „Staublunge“. Dies würde sie momentan wohl zu einer Risikogruppe machen.

Noch während seiner Zeit in bayerisch Schwaben verfasste Sebastian Wiedemann Gedichte, die heute im Privatbesitz erhalten sind. 1906 entstand folgendes Gedicht, das eine recht romantische Seite des sonst so hart arbeitenden Müllers zeigt.

Die Transkription wird in dieser Woche aus persönlichen Gründen schon am Donnerstag online sein – mehr dazu dort.

Unterlagen zu landwirtschaftlichen Betrieben wie Mühlen und ihrer Bedeutung für den jeweiligen Ort können zum einen in den Gemeindearchiven, darüber hinaus aber auch in staatlichen Archiven (hier zum Beispiel in Landratsamts- oder Bezirksamtsbeständen) gefunden werden – je nach Alter des Mühlenbetriebs auch in Altbeständen.

Zudem ist, speziell für das Thema Mühlen die Arbeit von Herrn Eberhard Ref eminent wichtig. In jahrelanger Arbeit erforschte er die Pfälzer Mühlen und stellt seine detaillierten Forschungen in seinem „Mühlenlexikon“ online zur Verfügung. Die Mühlen sind über einen Ortsindex recherchierbar: Pfälzisches Mühlenlexikon

[Der Beitrag geht schon einen Tag früher online, da auch die Transkription ebenso einen Tag früher verfügbar sein wird]

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